Samstag, 25. Mai 2013

Zerstörung inländischer Märkte



Ein Großteil der gespendeten Kleidung geht nach Afrika. Klingt zunächst sehr gut, nur allzu gegenwärtig sind die Bilder von ausgehungerten Körpern , denn man möchte ja schließlich denjenigen helfen die es am nötigsten haben.
Schauplatz Tansania - Der ostafrikanische Staat ist einer der größten Kleiderspendenabnehmer des Kontinents.  Über 20 000 Tonnen  werden jeden Monat eingeflogen und weitere  50 Schiffscontainer erreichen jährlich ihr Ziel . In Dar es Salaam, mit über  3 Millionen Einwohner dichtbevölkerteste Stadt des Landes, tragen fast alle Einwohner "Mitumba". So nennen sie die Spenden, die vor allem aus den Vereinigten Staaten und Europa kommen. Fast an jeder Ecke,  der Großstadt,  kann man die Ware erwerben , die für den Niedergang der eigenen Textilindustrie gesorgt hat. Gleichwertige einheimische Ware konnte nicht so niedrig abgesetzt werden wie die" Mitumbaware" und so wurde die eigene Produktion immer weiter zurückgedrängt. Ehe die Ware zum Verkauf bereit steht, war sie schon im Besitz mehrerer Zwischenhändler, die die Ware jeweils teurer weiterverkaufen. Das Rote Kreuz bekommt für jedes Kilo 5 Cent weiterverkauft wird es allerdings für 1 Euro.
In einer der letzten Werkhallen in  Dar es Salaam stehen die Maschinen still. Vor 20 Jahren arbeiteten hier noch 6 000 Menschen, übrig geblieben sind davon mickrige 600 Angestellte. Dies ist kein Einzelfall, in der ehemals größten Textilfabrik der Landes, 9 000 Mitarbeiter, ist nichts als Schutt mehr übrig. Die Steine der Mauern sind der einzige Wert der übrig bleibt. Die ehemaligen Mitarbeiter versuchen den Schutt an Staßenbaununternehmen zu verkaufen von denen sie einen Hungerlohn beziehen. Viele dieser Menschen leben in den Slums und versuchen sich von diesem Lohn über Wasser zu halten. Allerdings reicht das Geld oft nicht für Reis und so sind viele Familien gezwungen sich von Tee zu ernähren. Mit dem schrumpfen der Textilindustrie ist es für die jüngeren Generationen noch schwieriger geworden anständige Jobs zu bekommen.
Von den ehemals 800 000 Beschäftigen in der Textilindustrie sind gerade mal noch 5 000 übrig. Dies sorgt für einen enormen Verlust der Wirtschaftskraft. Symptomatisch sind Weberin die nicht mehr eigene Stoffe vernähen, sondern Übergrößen aus der westlichen Welt den afrikanischen Maßen anpassen. Die deutsche Ware trägt dazu besonders bei, denn mit dieser wird bevorzugt gehandelt. Die Spenden stehen für qualitative Hochwertigkeit und können somit hochabgesetzt werden. Die Händler bevorzugen also diese Ware, weil sich aus ihr am meisten Profit schlagen lässt.
 Viele Wohlfahrtsverbände wie das Deutsche Rote Kreuz, Malteser und Diakonie sind an dem Unterfangen beteiligt. Doch keiner der Verbände klärte die Öffentlichkeit darüber auf,  was für Auswirkung die gutgemeinten Spenden tatsächlich haben. Natürlich wäre es zu einfach die ganze Schuld auf die Wohlfahrtsverbände abzuschieben, denn es fängt schon bei jedem einzelnen Konsumenten an. Denn die deutsche Ware ist besonders beliebt, weil sie im Vergleich zu den anderen viel weniger getragen und damit abgenutzt wurde. Von nun an sollten wir uns vielleicht zwei Mal überlegen ob unsere Hose schon in eine Sammelbox gehört oder ob wir sie nicht anderweitig nützlich unterbringen können...

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